Abschiebelager Fürth schließen - Weg mit allen (Abschiebe-)Lagern!
ACTION DAYS vom 11. bis 14. September 2003
Vom 11. bis 14. September fanden die Aktionstage gegen Abschiebelager am
"Ausreisezentrum" Fürth statt, organisiert von einem bundesweiten
Bündnis von antirassistischen Gruppen und Flüchtlings- und
Menschenrechtsorganisationen. Alle Informationen, Berichte,
etc. sind hier dokumentiert.
Informationen zu den Aktionstagen Informationen zu den Aktionstagen Hier finden Sie alle Informationen zu den Aktionstagen der Hintergrund den Aktionstageaufruf in verschiedenen Sprachen Anfahrtsbeschreibungen etc.
Programm
Donnerstag 11. September 03
ab 12.00 Uhr Aufbau
17.00 Uhr Begrüßung der Flüchtlinge am Zaun des Fürther Ab ...
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Dokumentation der Aktionstage Dokumentation der Aktionstage Hier finden Sie die umfassende Dokumentation der Aktionstage mit Berichten Interviews Redebeiträgen Pressemitteilungen etc.
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Bildmaterial zu den Aktionstagen Hier finden Sie aktuelles Bildmaterial von den Aktionstagen in Fürth ...
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Medienberichte über die Aktionstage Medienberichte über die Aktionstage Hier finden Sie alle Berichte der Medien über die Aktionstage
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Frühjahr 2002 am Internierungslager in Woomera/Australien ++ März 2002 am
Abschiebeknast in Bologna ++ Ende 2002 am Eurotunnel-Lager in
Sangatte/Frankreich ++ Februar 2003 im Abschiebeknast Haslar/England ++
Januar bis April 2003 im Abschiebeknast Grünau/Berlin ++ Mai 2003 im
Niemandsland-Lager zwischen irakischer und jordanischer Grenze...
... sind Menschen weltweit im Aufstand: gegen die Zäune, Mauern und Grenzen der
Abschiebeknäste, Internierungslager, Abschiebelager, 'Ausreisezentren',
Flüchtlingslager. Sie hungerstreiken, sitzstreiken, demontieren,
demonstrieren, sprühen, rütteln, faxen, sägen, nähen, kleistern, schreien,
schreiben, klettern, brennen nieder.
Seit September 2002 gibt es in Fürth bei Nürnberg ein neues Abschiebelager
für Flüchtlinge, ein sog. Ausreisezentrum. Wir sagen: ein Jahr
Abschiebelager Fürth - es reicht! Mit den Aktionstagen vom 11. bis 14.
September wollen wir mit Nachdruck fordern: Schließt das Lager in Fürth!
Keine neuen Lager! Abschaffung aller (Abschiebe-)Lager!
Universum der Lager
In den EU-Staaten werden in den letzten Jahren verstärkt neue Lager für
Flüchtlinge eingerichtet. In Deutschland gibt es seit 1998 Modellprojekte
für neue Abschiebe-Lager, von den Behörden beschönigend 'Ausreisezentren'
genannt. In der Diskussion sind zur Zeit Pläne für ein neues
Internierungslager-System an den Rändern Europas, wo die nach Europa
geflohenen Flüchtlinge pro forma ein Asyl-Schnellverfahren durchlaufen
sollen. Europa soll offenbar, bis auf ein minimales 'Restkontingent',
flüchtlingsfrei werden.
Lager sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Abschottungspolitik der
Industrieländer. Abschottung gegenüber denen, die kommen, weil die Interessen
der reichen Staaten die Lebensbedingungen in ihren Länden maßgeblich
bestimmten und bestimmen. 'Wir sind hier, weil ihr unsere Länder zerstört',
formulieren es Flüchtlinge. Lager sind Teil einer (sozialen) Kriegs-Politik
gegen Flüchtlinge: Dazu gehören Abschiebelager und militärische
Grenzaufrüstung auf den Meeren und an den Landesgrenzen ebenso wie die
alltägliche Abschreckungs-, Abschiebungs-, Vertreibungs- und
Illegalisierungspolitik innerhalb von Europa. Dazu gehört auch die Errichtung
von Lager-Gürteln in Kriegs- und Krisenregionen wie Kosovo, Afghanistan oder
Irak, die Flüchtlinge daran hindern sollen, überhaupt nach Westeuropa zu
gelangen. Dazu gehört auch die internationale Kooperation von Polizeibehörden
zur Zerschlagung von Fluchtrouten. Und nicht zuletzt dienen Flucht und
Migrationsbewegungen als Begründung für 'militärische Interventionen' der
westlichen Staaten.
Jedoch - trotz aller strategisch-technokratischen Maßnahmen ist die Festung Europa
nicht gegen die Flucht und Migration von Menschen abschottbar. Die Festungsgürtel
werden unterlaufen von den Menschen, denen es trotzdem gelingt, nach Europa zu
fliehen. Ebenso ist es möglich, die Abschottungs- und Isolationsfunktion der
Lager zu durchbrechen, wenn der Widerstand und Protest der Flüchtlinge in den
Lagern und Knästen nach draußen dringt und sich mit Solidarität von außen
verbindet. Die weltweiten Proteste vor und hinter den Zäunen und Mauern der Lager
und Knäste, den Zonen der Entrechtung, stellen eine alte Frage neu: 'How is your
liberation bound up with mine?' (Wie ist deine Befreiung mit meiner verknüpft?)
'Ausreisezentrum'- Weder in Fürth noch anderswo!
'Ausreisezentrum' ist kein Begriff aus der Tourismusbranche. Was nach
Palmenstrand und Urlaubsreise klingt, ist ein weiteres Bindeglied in der
langen Kette systematischer Ausgrenzung und Isolierung von Flüchtlingen und
MigrantInnen in Deutschland. 'Ausreisezentren' sind Abschiebelager, sind
Illegalisierungslager. Als Ergänzung zu sog. Sammelunterkünften und
Abschiebeknästen perfektionieren die Abschiebelager das System von
Abschreckung, Diskriminierung, Kontrolle und Abschiebung gegenüber
Flüchtlingen. Die Einrichtung von 'Ausreisezentren' ist Bestandteil des
Entwurfs für ein neues 'Zuwanderungsgesetz', das zwischen ökonomisch
'nützlicher' und 'unnützer' Migration unterscheidet und für die
Ausgesonderten weitest mögliche Entrechtung bedeutet. Bei allen taktischen
Streitereien um dieses Gesetz sind sich Rot-Grün und CDU/CSU darin einig,
unerwünschte Flüchtlinge loszuwerden und Abschiebungen durchzusetzen, oder
Illegalisierung. Das wird in den neuen Abschiebelagern praktiziert: Die
wenigsten Flüchtlinge haben heute überhaupt noch eine reale Chance, in
Deutschland Asyl zu bekommen. Dennoch konnten viele bis jetzt nicht
abgeschoben werden, weil die dazu benötigten Papiere fehlen. Ihnen wird
'Identitätsverschleierung' und 'fehlende Mitwirkung bei der
Passbeschaffung' unterstellt, da sie falsche Personalien und
Herkunftsstaaten angegeben haben sollen. Diesen Menschen droht nun die
Einweisung in die sogenannten Ausreisezentren. Mit Hilfe von Verhören durch
Beamte und Botschaftspersonal der (vermeintlichen) Herkunftsländer soll in
diesen Lagern die angeblich verschleierte Identität 'geklärt' werden.
Bespitzelung ist Teil des Systems - DolmetscherInnen und
SozialarbeiterInnen sollen Hinweise liefern und die Flüchtlinge sollen mit
'Versprechungen' zur Herausgabe von Informationen über andere Flüchtlinge
gebracht werden: um Abschiebungen zu ermöglichen und Vertrauensbeziehungen
im Lager und jede Solidarität unter den Flüchtlingen zu verhindern. Durch
diese und andere Schikanen, die konzentrierte Anwendung von Sondergesetzen,
die unerträglichen Bedingungen eines Lebens im Lager, die direkte und
indirekte Kriminalisierung, sollen die Flüchtlinge in den Abschiebelagern
für ihre 'mangelnde Kooperation' abgestraft und dazu erpresst werden, ihrer
'freiwilligen Ausreise', sprich Abschiebung, zuzustimmen. 'Ausreisezentren'
arbeiten offensiv mit psychischem Druck - von offizieller Seite wird zum
Ziel erklärt, die Flüchtlinge in 'eine Stimmung der Hoffnungs- und
Perspektivlosigkeit' zu bringen. Das Ergebnis ist massenhafte
Illegalisierung. Etwa die Hälfte der Flüchtlinge in den bisherigen
Lager-Modellversuchen ist in der Illegalität verschwunden.
Die Lebensbedingungen der Menschen im Abschiebelager Fürth
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Das Lager ist durch einen Zaun und ein geschlossenes Drehkreuz abgeriegelt
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Das 'Ausreisezentrum' ist durch eine innere Umzäunung von der unmittelbar
benachbarten 'Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber' abgetrennt- es ist ein Lager
im Lager
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Kontrolle durch privaten Sicherheitsdienst; wer kommt und geht muss sich beim
Sicherheitsdienst an- bzw. abmelden
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Ausweitung der Residenzpflicht: Kein Verlassen des Stadtgebietes Fürth ohne Genehmigung
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Meldepflicht und Anwesenheitskontrollen; unregelmäßig verhörartige Befragungen
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Besuche nur mit Erlaubnis der Regierung Mittelfranken
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Einschüchterung und Kriminalisierung durch Polizeieinsätze und Zimmerdurchsuchungen
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Verbot jeglicher Erwerbsarbeit
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Ausgabe von Lebensmittelrationen (Fresspakete) täglich - zur Sicherstellung der Anwesenheit
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Völlige Streichung des einzigen Bargelbetrages ('Taschengeld') von 40 Euro/Monat bzw. Kürzung auf 20
Euro/Monat für Leute, die nicht mit den Behörden 'kooperieren'